Dachs Rettung
Dachs Rettung

Das eine Fahrradtour zu einer Tierrettungsaktion werden sollte, das hätten wir uns auch nicht so vorgestellt.

Auch bei uns im Alentejo ist der Frühling eingetrudelt. So beschlossen wir am vergangenen Wochenende mit unserem Hank ins Grüne zu fahren. Ich muss gerade selber schmunzeln - ins Grüne fahren, wir sind ja umgeben von grün. Wir wollten einfach mal was anderes sehen, hören und riechen. Richtung Montemor-o-novo gibt es einen Stausee "Barragem dois Minutos". Ein wunderbarer Platz um auch im Sommer dort am Wasser zu verweilen. Der See ist sehr, sehr weitläufig und auch mit dem Fahrrad gutz zu erkunden. Wir auf die Räder drauf und los. Wir können garnicht sagen, wie weit wir tatsächlich gefahren sind - fühlte sich jedoch wie eine Ewigkeit an. In der Ferne sahen wir eine Wassertränke und dort wollten wir Rast machen. Gesagt getan - aber unser Hank wollte überhaupt nicht Ausruhen oder gar trinken. Vielmehr bellte er die ganze Zeit und führte uns Richtung eines Zaunes. Dort sahen wir auch, warum unser Hund die ganze Zeit Alarm geschlagen hatte, dort lag elendig ein kleiner Dachs (Meles meles), eingefangen in einer Lasso oder Schlingel Falle. Wie lange das Tierchen dort schon lag, konnten wir nicht ahnen. Aber das Lasso war bereits in seiner hinteren Pfote eingezwängt. Ohne Hilfe hätten wir dieses Stück draht nicht entfernen können. Also suchten wir nach Werkzeug, keine Chance. Wir hatten Fahrradwerkzeug dabei aber leider nichts, womit wir hätten dieses Tierchen retten können. Einzig sahen wir die Lösung darin, dieses Lasso mit der Hand wieder auszuwickeln bis wir das Tierchen befreien konnten.

Von unseren Hühnern her wissen wir, dass wenn sie die Augen verdeckt bekommen, ruhig werden und nicht so um sich zappeln. Also legten wir dem Dachs eine leichte Jacke über den Kopf, damit er sich beruhigte und Schorsch konnte tatsächlich diese Schlinge vom Zaun abwickeln und das Tierchen war erst einmal frei. Schorsch trug den Dachs dann rüber zur Tränke und hielt es zum Trinken hinein. Einen furchtbaren Durst hatte das Tierchen - aber frei weglaufen lassen, dass konnten wir noch nicht. Das Lasso war immer noch in seinem Beinchen verfangen und es hatte bestimmt Schmerzen, denn das Bein und die Pfote waren ganz schön dick. Da wir nicht vom Dachs auch noch gebissen werden wollten und nicht wussten, ob er vielleicht Tollwut hatte oder nicht beschlossen wir irgend jemanden anzurufen. Leider war die Internetverbindung nicht gegeben und somit blieb nichts anderes übrig als 112 anzurufen. Die aber wussten auch nicht was sie tun könnten und nannten mir eine andere Nummer, die ich anrufen sollte. Ich staunte nicht schlecht - mitten in der Pampa, hatte auch nichts zum Schreiben dabei. Wir wollten ja nur Fahrrad fahren mit unserem Hank und sonst nichts. Vor lauter Aufregung hatte ich die Rufnummer natürlich vergessen.

Wir beschlossen das Tierchen mit zum Fahrzeug vorzuholen und dort dann nach Hilfe zu rufen. Wir haben auf eines unserer Rädern den Fahrradkorb auf dem Gepäckträger nie entfernt, denn er dient ja doch schonmal zum Transportieren von irgendwelchen Kleinigkeiten. Dort legten wir den Dachs, gut eingebettet und immer noch die Augen verdeckt hinein. Leider konnte Schorsch aber nicht so losfahren - also wurde das Fahrrad geschoben. Nach ca. 10 Min. merkten wir erst, wie weit wir eigentlich mit den Rädern gefahren sind. Ich musste mit dem Fahrrad vorfahren, da wir ja noch unseren Hund dabei hatten und der die ganze Zeit den Dachs beschnuppern wollte.

Die Überlegung mit dem Fahrzeug das ganze zu beschleunigen, war zwar da, aber der Weg war einfach nicht gut zum Befahren. Also - musste Schorsch schieben.
Auf meinem Weg zum Fahrzeug und in der Hoffnung, dort Hilfe per Telefon zu erreichen, kam mir ein junger Mann auf dem Mopped entgegen. Tiago, so hieß er und war sofort so hilfsbereit. Ich erzählte ihm was geschehen ist und er half mir bei der Polizei anzurufen. Leider gibt es wohl hier im Raum keinen geeigneten Tierschutz, dass sollten wir später auch erfahren.  Tiago fuhr Richtung Schorsch und ich weiter Richtung Fahrzeug. Als ich ankam, war niemand zu sehen. Aus der Ferne sah ich dann, das Tiago den Dachs auf sein Mopped umgefrachtet hatte und Schorsch kam mit dem Fahrrad hinterher. So war das Tierchen zumindest auch gut gefedert. Gar keine leichte Aktion, denn der Dachs wollte natürlich am Liebsten immer wieder abhauen. Was ich ihm auch nicht verdenke.

Kaum waren die Retter am Fahrzeug kam auch schon die GNR, die Polizei, die wir zuvor gerufen hatten. Anhand deren Gesichter sahen wir schon, dass ein solches Tier halt ein Wildtier ist und ein nicht sehr beliebtes Tier hier zu Lande. Kann sein, dass solche Tiere am besten dort gelassen werden sollten, wo sie leben. Wir hätten es auch dort gelassen, wenn diese Blöde Schlinge nicht gewesen wäre. Das Tier mit der eingewachsenen Schlinge freizulassen kam so nicht in Frage. Die Polizei war sehr hilfsbereit und rief den Naturschutz in Lissabon an. (Lissabon ist ca. 100Km weit weg). Dann folgent ratlose Gesichter. Nach ca. 10 Min. rief wohl der INCF beim netten Beamten aufs Handy an und das OK kam, damit der Dachs dann aufs Revier verfrachtet werden konnte. Wir boten uns freiwillig an, den Dachs in unserem PKW aufs Revier zu fahren, denn sonst hätten die Beamten erst einmal eine Hundebox besorgen müssen.

Gesagt getan - wir kamen alle nach ca. 30 Min. Fahrt in Montemor-o-Novo an. Dort holten die Beamten tatsächlich eine sehr große Box und dort wurde der kleine Dachs hineingelgt. Wir erfuhren, dass das Tierchen erst am nächsten Tag nach Lissabon gebracht werden sollte. Auf unsere Frage hin, ob denn kein Tierarzt den vorerst untersuchen könnte meinte der Beamte - nein. Auch auf die Frage hin, ob wir das Tierchen zu einem Tierarzt bringen sollten meinte die Beamten, dass keine Tierarztklinik Wilde Tiere annimmt oder behandelt, die würden uns wegschicken.  Unsere Personalien wurden aufgenommen und der Fundort nochmals genau angefragt. Mehr konnten wir nicht tun.
Wir wissen nun überhaupt nichts von diesem Tierchen. Ob es die Nacht überlebt hat oder nicht oder ob es ausgesetzt werden konnte.
Leider konnten wir nichts weiteres tun. Zu Hause angekommen, durchforstete ich das Internet nach Anlaufstationen oder gar Schützer in der Umgebung. Ein paar wenige finde ich, die aber kümmern sich alle um Hunde und Katzen. Was ich hier, mitten im Wald aber tatsächlich vermisse sind genau die Stellen, wo Umweltschutz und Naturschutz zusammenarbeiten. Die GNR gab uns noch den Tipp - wir sollen beim Monte Salvagem nachfragen. Ein privater Park, der am 8. Mai 2004 eingeweiht wurde und 60 Arten beherbergt, insgesamt etwa 350 Tiere. Dieser ist, 9 Monate im Jahr von Februar bis Oktober, für die Öffentlichkeit zugänglich. Steht auf unserem Plan, denn wir finden nichts im Internet, was Tierschutz in dem Umfang anbietet. Ein Dachs ist ja kein Haustier und ich habe gelesen, der Dachs sei anders als die meisten anderen Marderarten, die sich überwiegend von Fleisch ernähren, besteht die Hauptnahrungsquelle des Dachses (Meles meles) meistens aus vegetarischer Kost. Neben kleinen Tieren wie Schnecken, Mäusen, Würmern und Insekten frisst der Dachs vor allem Obst, Beeren, Wurzeln, Pilze und Samen.

 

   
© LosTimeCatchers Sara & Schorsch